IVZ vom 20.07.2026 von Heinrich Weßling
Fest mit 600 Gästen: 100 Jahre gelebte Gemeinschaft

Bei der Proklamation der neuen Majestäten präsentierten sich (v.l.) Jubelkönig Dominik Köster mit seiner Jubelkönigin Karla Robbe, die Kindermajestäten Luca Saatkamp und Lena Neubauer sowie König André Feldhaus und Königin Vera Diersmann in der Kutsche. | Foto: Heinrich Weßling
Die St.-Mauritius-Schützenbruderschaft Püsselbüren hat ihr 100-jähriges Bestehen mit zahlreichen Gästen und einem Festakt gefeiert. Die neuen Majestäten wurden proklamiert und der Verein zeigt sich für die Zukunft gut aufgestellt.
Der Jubiläumsschützenverein St. Mauritius Püsselbüren hat sein 100-jähriges Bestehen am Sonntag mit zehn Gastvereinen und rund 600 Schützenbrüdern auf dem Sportplatzgelände von SW Esch gefeiert. Vier Spielmannszüge sorgten bei gutem Wetter für den musikalischen Rahmen.
„Ja, wir sind gut aufgestellt und hoch motiviert“, sagte Oberst Ralf Meiners, der gemeinsam mit Hauptmann Carsten Rehers durch das Programm führte.
Zu den Höhepunkten gehörte die Proklamation der neuen Majestäten. Neuer König der St.-Mauritius-Schützenbruderschaft ist im Jubiläumsjahr André Feldhaus. Zu seiner Königin wählte er Vera Diersmann. Wie es in Püsselbüren Tradition ist, trägt auch der König einen Kosenamen: „Die Fledermaus“. Seine Königin Vera Diersmann wird „Die Zarte“ genannt. Mit dem 473. Schuss fiel am Samstagabend die Entscheidung am Schießstand.
Zum Thron gehören Stephan Diersmann und Katja Feldhaus, Patrick und Christa Bäumer, Daniel und Nicole Ungruhe sowie Guido Ungruhe und Franziska Leufkens.
Jubelkönig wurde Dominik Köster, der mit dem 395. Schuss den Vogel von der Stange holte. An seiner Seite steht Jubelkönigin Karla Robbe. Bereits am Samstag waren 333 Mitglieder angetreten, um die Nachfolge der bisherigen Majestäten zu ermitteln.

Der neue Hofstaat mit Ehrengästen und Gastvereinen. | Foto: Heinrich Weßling
Bei der Begrüßung der Ehrengäste, Gastvereine und Mitglieder betonte Vorsitzender Oliver Otte die gute Entwicklung des Vereins. Die St.-Mauritius-Schützenbruderschaft zähle inzwischen mehr als 650 Mitglieder und verfüge über ein starkes Offizierskorps mit vielen jungen Aktiven. Hinzu kämen eine engagierte Gruppe H, ein kontinuierlich arbeitender Vorstand, eine Schießstandleitung mit mehr als 200 aktiven Schützinnen und Schützen sowie zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.
In seiner Ansprache blickte Otte auf die Geschichte des Vereins zurück. Im Frühjahr 1926 trafen sich Püsselbürener Landwirte, Unternehmer und Bürger im Alten Gasthaus Wulf, um die Gründung der St.-Mauritius-Schützenbruderschaft vorzubereiten. Am 27. Oktober 1926 fand die erste Generalversammlung im Saal Kreuzmann statt. Lehrer Karl Gillhaus wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt, erstes Königspaar waren Bernhard Meyer und Mathilde Stallfort.
„Seit 100 Jahren tragen wir gemeinsam – auch durch Krieg und die Corona-Zeit hindurch – eine wichtige Säule des sozialen Miteinanders in Püsselbüren“, sagte Otte.
Nicht immer seien die Zeiten einfach gewesen. In den 80er-Jahren hätten viele Schützenvereine unter Mitgliederschwund und finanziellen Problemen gelitten. Umso erfreulicher sei es, dass das Schützenwesen heute wieder eine Renaissance erlebe, insbesondere durch junge Menschen, die sich mit neuen Ideen und großem Engagement einbrächten.
Meiners dankte allen Mitgliedern, Helferinnen und Helfern sowie deren Familien für ihren Einsatz. Die St.-Mauritius-Schützenbruderschaft verstehe sich als Teil des gesellschaftlichen Lebens und arbeite eng mit dem Sportverein, der Kolpingfamilie, der Kirche und weiteren Institutionen zusammen. Zum Abschluss seiner Rede wünschte er allen Gästen ein gelungenes Jubiläumsfest und schloss mit dem Wahlspruch: „Kerls, lot us toasammen houlen, nu und in alle Tied!“
Zu den Ehrengästen gehörten NRW-Minister Karl-Josef Laumann, Landrat Dr. Martin Sommer, Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer sowie der Vorsitzende des Heimatschützenbundes, Friedrich Prigge.
Karl-Josef Laumann hob die Bedeutung des Schützenwesens für Heimat, Bürgersinn, Gemeinschaft und Geselligkeit hervor. „Ein Schützenverein schreibt Geschichte. Gerade hier in Püsselbüren ist es eine alte Tradition, Bürgersinn, Heimatverbundenheit, Geselligkeit und Gemeinschaftsgeist zu pflegen. Heimat ist eines der schönsten Worte. Sie gibt Identität, Halt und Geborgenheit.“
Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer würdigte das Jubiläum als „ein ganzes Jahrhundert gelebter Gemeinschaft“. Der Zusammenhalt im Ort zeige, dass Vereinsleben funktioniere, wenn Menschen offen miteinander umgingen, zusammenarbeiteten und andere mitnähmen. So könne ein Schützenverein auch im Jahr 2026 erfolgreich bestehen.
Landrat Sommer betonte, ein 100-jähriges Bestehen zeige, dass ein Verein Generationen von Menschen begleitet habe. Die St.-Mauritius-Schützenbruderschaft habe Zeiten des Aufbruchs erlebt, Krisen überstanden und sich immer wieder weiterentwickelt. Mit mehr als 650 Mitgliedern, einem aktiven Vereinsleben und vielen engagierten jungen Menschen sei sie gut für die Zukunft aufgestellt.
Die Glückwünsche des Heimatschützenbundes überbrachte Friedrich Prigge. Er betonte, dass ein Schützenverein, der sein 100-jähriges Bestehen in einem so eindrucksvollen Rahmen feiern könne, bewiesen habe, über Jahrzehnte attraktiv geblieben zu sein und engagierte Mitglieder zu gewinnen. Unter dem Wahlspruch „In Treue zum Alten die Zukunft gestalten“ habe der Verein dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zugleich erinnerte Prigge an das Heimatschützenfest 2022, das die Püsselbürener auf dem Festgelände mitgestaltet hatten.





