IVZ vom 24.08.2025 von Holger Luck
100 Jahre Schützenmark Hörstel
Jubiläumsvogel wehrt sich lange gegen Abschuss
Nach seiner Proklamation schritt der neue Jubiläumsmarkenkönig Heinz-Josef Reckers
die Reihen der Hörsteler Schützenvereine ab. | Foto: Holger Luck
Die Schützenmark Hörstel hat am Samstag ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Das Schießen auf den Vogel eröffnete Reinhold Roß als dienstältester Markenkönig. Die Jubiläums-Königswürde errang aber ein anderer Schütze.
Ein ganzes Jahrhundert Schützentradition feierte am vergangenen Samstag die Schützenmark Hörstel. Beim Jubiläumsschießen anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Vereinigung, in der die sechs Hörsteler Schützenvereine Hörstel-Dorf, BSV Gravenhorst, Harkenberg-Elseck, Knobben-Poggenort, Ostenwalde und BSV Schultenort zusammengeschlossen sind, herrschte reges Treiben. Austragungsort war der Schießstand des BSV Schultenort – der einzige in der Mark Hörstel mit einem Vogelstand.
Bevor die Markenkönige respektive eine Markenkönigin der vergangenen Jahrzehnte dem Jubiläumsvogel zu Leibe rückten, gab es einen feierlichen Auftakt. Angeführt vom Spielmannszug Knobben-Poggenort marschierten die sechs Vereine zum Festplatz und nahmen dort Aufstellung. Martin Lammers, Vorsitzender des BSV Harkenberg-Elseck, begrüßte die zahlreichen Gäste im Namen des Festkomitees und erinnerte an die Inschrift der Gründungsplakette von 1925: „Lasst uns vereint nun zielen und schießen, als Schützenbrüder das Leben genießen.“ Dabei betonte er, dass sich die Zeiten seither zurecht verändert hätten: „Frauen sind längst auch in der Mark Hörstel ein wesentlicher Bestandteil des Schützenwesens geworden.“
Vereine pflegen Tradition
Bürgermeister David Ostholthoff würdigte in seinem Grußwort das Schützenwesen als „tief verwurzelt im gesellschaftlichen Leben der Stadt Hörstel“. Die sechs Vereine hätten mit ihrer Traditionspflege „ein Stück Identität für ganz Hörstel geschaffen“. Friedrich Prigge, Präsident des Kreisheimatschützenbundes, schloss sich den Glückwünschen an und bezeichnete die Schützenvereine als „Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart“. Besonders hob er die Treffsicherheit der Hörsteler Schützen und Schützinnen hervor, die sie immer wieder auch beim Heimatkönigsschießen unter Beweis stellten, und wünschte ihnen für die nächsten 100 Jahre „viele weitere schießsportliche Erfolge“.
Als dienstältester Markenkönig gab Reinhold Roß den ersten Schuss
auf den Jubiläumsvogel ab. | Foto: Holger Luck
Dann begann das Jubiläumsschießen, an dem 36 Markenkönige und mit Lara Plagemann die bisher einzige Markenkönigin teilnahmen. Den ersten Schuss gab mit Reinhold Roß der dienstälteste Markenkönig ab. Er hatte die Königswürde 1959 und noch einmal 1984 errungen. Wie er war auch Josef Schrameyer in jeder Runde zweimal an der Reihe, da er ebenfalls wiederholt (1996 und 2016) Markenkönig geworden war. Am Ende jeder Runde zielte der amtierende Markenkönig Jens Schrameyer auf den mit Krone und Zepter herausgeputzten Holzvogel.
Vogel ist zäh
Bürgermeister Ostholthoff hatte sich zu Beginn gewünscht, dass es diesmal etwas länger dauern möge als beim Stadtkönigsschießen im Mai. Da hatte Henning Schomaker den Vogel bereits mit dem 98. Schuss von der Stange geholt. Und der Wunsch ging in Erfüllung: Über zwei Stunden dauerte es, bis um Punkt 18 Uhr der Jubiläumsvogel seinen Widerstand aufgab. Bis dahin hatte er nacheinander bereits Krone, Zepter und einen Flügel verloren, erwies sich dann aber noch als ausgesprochen zäh.
Heinz-Josef Reckers vom BSV Gravenhorst war es schließlich vergönnt, ihn mit dem entscheidenden 278. Schuss des Wettbewerbs von der Stange zu holen. Hauptmann Herbert Wiesmann vom ausrichtenden BSV Schultenort, der den Wettbewerb mit interessanten Hintergrundinformationen kommentierte, wies darauf hin, dass Vogelbauer Norbert Helms die Haltbarkeit des Vogels im Vorfeld ziemlich genau prognostiziert hatte: etwa 300 Schuss sollte er demnach aushalten und schaffte es fast. Bei seiner anschließenden Proklamation zeigte sich der frisch gekürte Jubiläums-Markenkönig Heinz-Josef Reckers bescheiden: „Vogelschießen ist ja immer Glückssache, aber ich freue mich natürlich sehr.“