Heimatschützenbund 

HSB klein

Tecklenburger Land e.V.

IVZ vom 17.10.2026 von Svea Finke

 

Vom Training zum Titel

Wie Sophie Ruß zur jüngsten Stadtschützenkönigin wurde

 

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Besonders die einzelnen Rosen ihrer Vereinskollegen bleiben der jüngsten Stadtschützenkönigin Ibbenbürens in Erinnerung, die am Ende einen großen Strauß ergaben. | Foto: Svea Finke

 

Vor vier Wochen wurde Sophie Ruß Stadtschützenkönigin - mit 17 Jahren. Opa Dieter brachte sie zu ihrem Hobby. Welche Taktik ihr zum Erfolg verhalf und warum sie froh ist, vom Kommentar eines Zuschauers beim Schießen erst hinterher erfahren zu haben.

Gerade einmal ein halbes Jahr regelmäßiges Schießen reichte Sophie Ruß aus, nicht nur Schützenkönigin ihres Vereins zu werden, sondern auch alle anderen Schützenköniginnen und -könige zu schlagen. Im September wurde sie Ibbenbürens jüngste Stadtschützenkönigin.

Angefangen habe alles mit ihrem Opa Dieter (72), der sie zu einem Schießtraining seines Vereins, dem Bürgerschützenverein Bockraden 1927 e.V., mitnahm. Dort probierte sie das Schießen selbst mal aus und sei sofort begeistert gewesen, erzählt Sophie.

„Im Gegensatz zu anderen Sportarten, bei denen man auf Hochtouren laufen soll, muss man beim Schießen sehr ruhig sein und sich nur mit sich selbst auseinandersetzen“, weiß sie inzwischen. Nach der Anmeldung im Verein stand im Juli das Schützenfest in Bockraden an. „Ich wollte nur mal ausprobieren, wie es ist, auf den Vogel zu schießen. Mit meinem Schuss fiel dann der Kopf ab und das stachelte mich an, weiter mitzumachen“, erklärt die 17‑Jährige, wie ihre Teilnahme am Schützenfest zusatande kam.

Der Vogel fiel
Beim 397. Schuss um 16.30 Uhr passierte es dort dann: Der Vogel fiel. „Ich konnte nicht glauben, dass das gerade wirklich passiert ist“, erinnert sich Sophie. Sie habe sich gefreut, es aber kurzzeitig auch mit der Angst zu tun bekommen. „Was muss ich jetzt machen? Kann ich diese Aufgaben überhaupt erfüllen?“, fragte sie sich. Doch ihr Verein habe sie sehr gut aufgefangen und nicht unter Druck gesetzt, erklärt die Schülerin. Ihr Prinzgemahl wurde Opa Dieter, der ebenfalls mal Schützenkönig gewesen sei und so seine Erfahrungen mit seiner Enkelin teilen konnte.

Sophie trainiert einmal pro Woche. Zusätzlich sei sie ab und zu auf dem Schießstand in Schale gewesen. Vor dem Stadtschützenfest am 18. September habe sie dann das Training etwas intensiviert. „Glücklicherweise schießt man dort wieder auf eine Zielscheibe und nicht auf einen Vogel, was mir mehr Routine gegeben hat“, erzählt sie. „Hauptsache dabei“ sei ihr Motto vor dem Wettbewerb gewesen. Sie sei schon sehr nervös gewesen, habe aber versucht, ihre Gedanken auszublenden und einfach Spaß zu haben.

„Mein Herz hat gerast“
Beim Schießen half ihr dann eine weitere Taktik. Man habe sieben Schüsse, von denen zwei gewertet werden. Diese müsse man vorher festlegen. In Sophies Fall legte Gerd Emmerich, erster Vorsitzender des Bockradener Schützenvereins, das für sie fest. So habe sie bei jedem Schuss ihr Bestes gegeben, ohne zu wissen, welcher entscheidend sei, erklärt Sophie.

Anschließend sei die Platzierung verkündet worden. „Mein Herz hat gerast, ich habe gezittert und konnte nichts mehr denken“, erinnert sich Sophie an diesen Moment. Mit der Verkündung der Ergebnisse wurde klar: Mit 19,6 Ringen setzte sie sich gegen sechs amtierende Vereinskönige durch, die allesamt wohl über mehr Erfahrung verfügen als die 17‑Jährige. Das änderte nichts daran, dass Sophie gebührend gefeiert wurde. Sie habe sich sehr gefreut und gleich ihren Vater und Freunde angerufen, nachdem die Gratulationen vor Ort vorbei gewesen seien.

 

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Dr. Marc Schrameyer kürte Sophie Ruß im September zur Stadtschützenkönigin. | Foto: Sabine Plake

 

Auch die Proklamation am Samstag sei ein schöner Abend gewesen. Nun konzentriert sich die Schülerin auf ihre nächsten Ziele: das Kaiserschießen und weitere Auszeichnungen sammeln. Im nächsten Jahr ist sie dann mit ihrem Verein an der Reihe, das Stadtschützenfest auszurichten. Doch bis dahin vergehe noch eine Menge Zeit.

Eine Sache liege ihr dennoch auf dem Herzen: Was sie glücklicherweise nicht beim Betreten des Schießstandes beim Stadtschützenfest hörte, sei der Kommentar eines Zuschauers, der gesagt haben soll: „Die wird es eh nicht, da brauchen wir nicht darauf zu hoffen.“ Das erzählte ihr ihre Freundin erst später. Es sollte anders kommen. Für Sophie ist deshalb klar: „Macht das, was euch Spaß macht, und lasst euch nicht davon abhalten, wenn ihr vermeintlich nicht dazu passt.“